Julian in Paris – ein kleines Wunder

Veröffentlicht am von Kathrin

Wenn uns vor 11 Jahren jemand gesagt hätte, dass wir diesen Sommer mit Julian ins Disneyland und nach Paris fahren, hätten wir diese Person definitiv für völlig verrückt erklärt. Schließlich war er zu diesem Zeitpunkt noch sehr viel beatmet und es war für uns unvorstellbar, längere Reisen zu unternehmen – geschweige denn eine anstrengende Städtereise. Bei unserem ersten Urlaub damals hatten wir extra nach einer Unterkunft gesucht, die in der Nähe eines Krankenhauses lag.

Dieses Jahr sahen die Planungen völlig anders aus. Bereits im letzten Jahr auf der Hochzeit einer unserer Pflegefachkräfte (PFK) erzählte mir Alex (ebenfalls PFK bei Julian), dass es im Disneyland Paris eine neue Show zu „König der Löwen“ gäbe und er es cool fände, sich diese mit Julian anzuschauen. Aus dieser ersten Schnapsidee (ok – war mehr eine Aperol-Idee) wurde ein konkreter Plan.

Ich habe tatsächlich über Wochen immer wieder recherchiert, wie und wo wir übernachten könnten und wie wir das Ganze organisieren könnten. Der Zeitpunkt (Ende der Sommerferien) und die PFK, die mitfahren, waren schnell gefunden: Alex und Lara hatten sowohl Lust als auch Zeit.

Und so ging es am letzten Donnerstag in den Ferien morgens um 8 Uhr mit 6 Personen (unsere Familie plus zwei Pflegekräfte) mit der V-Klasse nach Paris. Ok – streng genommen erst einmal nach Bastogne in Belgien. Da die Raststätten an den Autobahnen nicht wirklich schön sind, sind wir mittlerweile dazu übergegangen, in kleinen Städten einen Halt zu machen und lieber zum Bäcker zu gehen. In Bastogne war es dann auf der Hinfahrt so weit und wir konnten unsere rudimentären Französischkenntnisse austesten. In einer kleinen Bäckerei gab es leckere Waffeln und Kaffee für uns. Julian hat sein Mittagessen bekommen, das wir mitgebracht haben. Wir kochen ja quasi von Beginn an für ihn. Er wird nach wie vor vollständig über die Magensonde ernährt, da er nicht schlucken kann. Das Essen haben wir eingefroren mitgenommen – im extra angeschafften Kühlkompressor. Zum Sondieren erwärmen wir es natürlich. 😉

So sieht übrigens das gepackte Auto aus:

Um ca. 17 Uhr kamen wir in Chessy an – dem Vorort von Paris, wo auch das Disneyland ist. Die Fahrt hat Julian super gut mitgemacht. Er hat auf seinem Handy Netflix geguckt (aktuell sind neben Paw Patrol auch die Vorstadtkrokodile hoch im Kurs) und auch sonst einfach mal nur dort gesessen. Es ist verrückt. Wenn wir manchmal 15 Minuten quer durch die Stadt fahren, hat er überhaupt keine Lust und trampelt mit den Füßen. Auf den Urlaubsfahrten ist er das zufriedenste Kind überhaupt.

Nachdem wir unsere Unmengen an Zeug in die Ferienwohnung geräumt hatten (Julian hat alleine 7 Taschen/Behältnisse …), sind wir noch ins nächstgelegene Shoppingcenter gegangen, um fürs Abendessen einzukaufen. Den Abend haben wir dann in der Ferienwohnung verbracht. Julian hat in der Nacht geschlafen wie ein Stein.

Disneyland – überraschend behindertenfreundlich

Am nächsten Tag war es dann so weit: Das Disneyland stand auf dem Programm.

Unsere Ferienwohnung war ca. 2 km entfernt, sodass wir entschieden haben, zu Fuß dorthin zu gehen. Das Disneyland präsentierte sich zunächst allerdings nicht so richtig glücklich für uns: Am Eingang mussten wir unseren Selfiestick draußen lassen – obwohl die Familie vor uns einen offen mit sich herumtrug. Manchmal versteht man es nicht. (Der Selfiestick hat übrigens in einem Blumentopf draußen auf uns gewartet – wir wollten ihn nicht einfach wegwerfen.)

Anschließend fanden wir uns in einer langen Schlange wieder, die der Priority-Eingang für alle mit Behindertenausweis war. Außer uns war irgendwie keiner mit Rollstuhl da, aber nun gut. Die Dame vor der Schlange versicherte uns, dass wir richtig standen. Ehrlich gesagt, war ich erst echt ziemlich genervt, dass wir so lange warten mussten. Ich hatte die Tickets schließlich schon vorher gebucht und auch Julians Ausweis vorher beantragt. Ok – da wussten wir aber noch nicht, wie sehr sich das lohnen würde.

Als wir an der Reihe waren, wurde Julian ein Priority-Ausweis ausgedruckt – mit seinem Foto, das ich vorher hingeschickt hatte, und einem Aufdruck, dass er bis zu 4 Leute auf die Attraktionen und in die Shows mitnehmen durfte. Das Teil war golden eingerahmt – und das war es auch: der goldene Zugang.

Kaum im Disneyland drin, fanden wir uns ziemlich direkt an der berühmten Parade wieder, die wir auch einigermaßen gut sehen konnten. Mir gefiel besonders, dass die Darsteller der Disneyfiguren offensichtlich Spaß an ihrer Rolle hatten. Manchmal wirken solche Figuren in Freizeitparks etwas aufgesetzt, aber hier war wirklich gute Laune am Start.

Danach sind wir durch das berühmte Schloss zum Pferdekarussell und erlebten hier als Erstes die Vorzüge von Julians Ausweis. Wir wurden direkt zu einem anderen Eingang gewunken und durften vor allen anderen an den Anfang der Schlange gehen. Nach drei Minuten saßen wir auf den Pferden. Julian auch! Er kann ja frei sitzen, hampelt aber oft noch herum. Auf dem Pferd saß er wie eine Eins, und so war die Fahrt richtig schön.

Dieser Priority-Zugang zog sich den ganzen Tag durch: Wir waren im Garten von Alice im Wunderland und später in einer Geisterbahn. Julian fand alles super – vielleicht auch, weil er uns überall einladen durfte. 😉 Dann war es so weit: Die Show „Der König der Löwen“ startete. Auch hier gab es wieder einen eigenen Eingang für uns, und wir durften wieder vor allen anderen ins Theater hinein. Das führte dazu, dass Julian und Alex in der ersten Reihe und damit fast auf der Bühne saßen.

Die Show ging 30 Minuten und war wirklich sehr gut: Gesang, Akrobatik, Dramaturgie, Tanz – wirklich sehenswert.

Danach sind wir weiter durch den Park und kamen an Goofy vorbei. Im Disneyland stehen immer mal wieder die Disneycharaktere, und man kann sich dort anstellen, um ein Foto zu machen. So auch Goofy. Ihr ahnt es schon … Anstehen war hier nicht. Allerdings war es noch lustiger: Eigentlich war das Zeitfenster schon vorbei und es durfte sich keiner mehr anstellen. Aber die Dame, die dort stand, meinte zu Lara, wir sollten am Ausgang warten. Goofy würde dorthin kommen. Und so war es auch. Goofy kam zu Julian und wir konnten ein exklusives Foto machen. Wir behaupten mittlerweile, dass Goofy ein Foto mit Julian machen wollte. 😉

Ohne Julian und Lara ging es für uns dann noch in eine der Achterbahnen im Park: die Star Wars HyperSpace Mountain. Hier mussten wir uns dann doch mal eine halbe Stunde anstellen. Und zum Abschluss sind wir noch eine Runde Boot gefahren. Das war anders wild, da es sehr bunt und mit sehr lauter Musik war. Egal – anstehen mussten wir ja eh nicht. 😉

Unser Fazit zum Disneyland: Es war ein richtig schöner Tag mit und vor allem für Julian. Als Erwachsener alleine würde ich übrigens nur dorthin fahren, wenn man wirklich voll der Disney-Fan ist. Es ist halt eher das ganze Ambiente dort und weniger die Achterbahnen. 😊 Aber für uns war es ein richtig schönes Erlebnis und Julian fand es auch richtig gut.

Les Champs-Élysées

Am nächsten Tag (Samstag) haben wir wieder unsere 7+x-Sachen gepackt und sind nach Paris gefahren. Da der Parkplatz vom Hotel für unser Auto zu klein war, hatte ich vorher einen anderen Parkplatz gebucht. Wir also dorthin – und er war zum Glück groß genug. Dann sind wir erstmal durch Paris flaniert und über die Champs-Élysées. Dort haben wir auch in einem der typischen Pariser Cafés gesessen und Kaffee getrunken. Das war wirklich sehr schön.

Anschließend ging es ins Hotel. Wir waren ganz schön platt vom Laufen. 😉 Doch um 18 Uhr hatte ich noch einen Tisch in einer Pizzeria in der Nähe des Eiffelturms reserviert. Also doch nochmal aufgerafft und dorthin. Es war auch sehr gut – und vor allem das Tiramisu phänomenal.

Anschließend sind wir zum Eiffelturm und haben uns dorthin gesetzt. Da Julian zwischendurch ein kleines Schläfchen in seinem Buggy gemacht hatte, konnten wir den Abend etwas verlängern und uns um 21 Uhr das Glitzern des Eiffelturms anschauen. Ein weiteres richtig schönes Highlight unseres Städtetrips.

Louvre & Eiffelturm

Am Sonntag hatten wir den Louvre gebucht. Nach einigem Hin und Her haben wir uns entschieden, mit dem Bus dorthin zu fahren. Die Füße waren ja eh schon platt, und das Auto war keine echte Alternative. Das hat auch gut geklappt.

Der Louvre hat uns ehrlich gesagt etwas erschlagen. Wir sind ziemlich hin und her gelaufen. Hier wäre es vermutlich besser gewesen, wenn wir auch das vorher geplant hätten – also was wir uns angucken wollten. Mit Julian mussten wir diverse Aufzüge nehmen. Insgesamt hat das geklappt, machte den Besuch aber halt doch etwas umständlich. Aber ehrlich gesagt hatte ich schon im Vorhinein so viel überlegt und geplant, dass ich das nicht weiter bedacht habe. Insgesamt hatten wir aber ein paar sehr schöne Einblicke in die unglaublich vielen Kunstwerke dort.

Auch hier war Julian wieder priority – dafür hat sein Rehabuggy ausgereicht. Im Raum, in dem die Mona Lisa hängt, waren gerade Alex und Lara mit ihm unterwegs. Plötzlich wurden sie von dem Personal, das dort aufpasst, herangewunken. Also wieder an der ganzen Menschenmenge vorbei und schon waren sie in einem exklusiven Bereich direkt vor der Mona Lisa. Das Bild haben sie sich allerdings gar nicht richtig angeschaut. Es war alles andere so aufregend, dass es fast Nebensache war. Es war auch direkt jemand da, der ein Foto gemacht hat. Lara und Alex meinten, sie fühlten sich wie die Stars, da sie ja direkt vor dem Bild Richtung Menschentraube geguckt haben – und alle auch sie angeguckt haben. Tja – Julian scheint offensichtlich ein Star in Paris zu sein. Erst Goofy – jetzt die Mona Lisa.

Echt cool!

Zwischendurch haben wir noch ein kleines Päuschen in einem sehr netten Café im Louvre gemacht, wo wir einen sehr schönen Blick auf den Innenhof mit der Pyramide hatten.

Um kurz vor 14 Uhr haben wir uns dann entschieden, weiterzufahren. Da ist uns wieder aufgefallen, wie lang die Wege in Paris so sind. Von der Entscheidung im Louvre, über die Aufzüge nach draußen und mit dem Bus zum Eiffelturm zu fahren, vergingen 1,5 Stunden.

Aber so waren wir pünktlich zu unserer Fahrt auf den Eiffelturm. Natürlich priority. Für Julians Buggy musste fast noch ein bisschen umgebaut werden, weil er nicht durch die Sicherheitsschleuse passte, aber das war natürlich alles wieder kein Problem. Ich lieb’s.

Die Fahrt mit dem Aufzug auf die 2. Etage ist wirklich spektakulär und empfehlenswert. Und so standen wir bei strahlendem Sommerwetter am Sonntagnachmittag mit Julian auf dem Eiffelturm. Wieder so ein Moment, an dem man sich kneifen muss, weil wir uns das kurz nach Julians Geburt überhaupt nicht vorstellen konnten.

Nach diesen ganzen Erlebnissen war Julian auch wirklich platt und ist im Hotel sehr schnell eingeschlafen. Wir haben uns zu dritt noch zum Montmartre aufgemacht, um dort im La Mère Catherine (die Mutter Kathrin 😉) zu Abend zu essen und einmal an der Sacré-Cœur vorbeizuflanieren. Das war ein sehr schöner Abschluss eines superschönen Städtetrips.

Am Montag ging es dann ohne weitere Zwischenfälle wieder nach Hause. Auch die Rückfahrt hat Julian problemlos mitgemacht. Wir waren wirklich beeindruckt.

Julians 7 Sachen

Ein herzliches Dankeschön geht noch an Lara und Alex, die uns auf diesem unvergesslichen Trip begleitet haben. Ohne euch wäre dieses Abenteuer nicht möglich gewesen.